Kultureller Austausch hat immer zwei Seiten. Fast ein ganzes Schuljahr lang hat Jean-Baptiste Valentin, unser Fremdsprachenassistent aus Paris, den Unterricht der 11. Klasse Französisch begleitet und uns Wissen aus erster Hand vermittelt.

Jetzt, am Ende seines Aufenthalts, wollten wir uns revanchieren und ihm ein bisschen von der hervorragenden oberfränkischen Wirtshauskultur mitgeben. Leider spielte das Wetter nicht so mit, wie wir es uns gewünscht hatten, aber wir machten das Beste aus dem Abend und genossen gesellige Momente der deutsch-französischen Freundschaft.

Wir alle hoffen auf ein Wiedersehen mit Jean-Baptiste hier oder in Paris, bei dem die Mutigsten dann endlich einmal französische Delikatessen probieren wollen. Ob dann allerdings wirklich Schnecken und Froschschenkel den Weg in die deutschen Bäuche finden, bleibt abzuwarten.

– Kurs 1f1, Stefanie Rödel

Zwei Jahre Pandemie, zwei Jahre Schweigen: Nach langer Pause setzt sich die Serie der erfolgreichen Dichterlesungen am Meranier-Gymnasium Lichtenfels seit 1986 wieder fort – dank der großartigen finanziellen Unterstützung des Elternbeirats und des Vereins der Freunde und Förderer!

Dabei erwartete uns in mehrfacher Hinsicht ein doppeltes Glück, denn zu Gast waren an diesem Aprilscherz-Freitag tatsächlich gleich zwei hochkarätige Figuren der deutschen Literatur- und Kunstszene, nämlich Beststeller-Autor Volker Kutscher, der durch seine bis jetzt achtbändige Reihe rund um den Kriminalkommissar Gereon Rath (auch bekannt aus der Netflix-Serie „Babylon Berlin“) von sich reden gemacht hat, und die vor allem durch ihre Zeichnungen in der FAZ berühmte Illustratorin Kat Menschik.

Im Zentrum der Lesung stand ein kurzweiliger Einblick in das neueste Werk der beiden Autor*innen unter dem Titel „Mitte“, das im vergangenen Herbst beim Berliner Galiani-Verlag in der Reihe „Lieblingsbücher“ erschienen ist. Und um ein Lieblingsbuch handelt es sich hier tatsächlich. Extra für die Illustratorin Kat Menschik hat Volker Kutscher hier genauso wie im gemeinsamen Erstling „Moabit“ eine Nebenfigur des Rath-Kosmos‘ zum Leben erweckt. Wer sich für den Inhalt von „Mitte“ interessiert, der möge klicken.

Während Kutscher noch im Vorläufer-Bändchen die Lebensgeschichte von Charlotte Richter in den Blick nimmt und ihre dramatische Vorgeschichte erzählt, begegnet dem Publikum in „Mitte“ nun der Ziehsohn von Charlotte und Gereon Rath, Friedrich Thormann. So ungewöhnlich es ist, dass in unabhängigen Erzählungen Nebenfiguren einer Krimi-Reihe ein Eigenleben entwickeln, so erstaunlich ist es auch, wie es Kutscher und Menschik hier gelingt, einen völlig neuen und unvergleichlichen Stil zu erfinden. Einzig und allein in Briefen verfolgen die Leser*innen den 15-jährigen Fritze, der sich im Berlin der 1930er Jahre auf der Flucht vor der Gestapo befindet und im titelgebenden Stadtteil Mitte untertaucht. Dass ihm aber auch noch von ganz anderer Seite Gefahr droht, wird den Leser*innen fast schneller klar als dem jugendlichen Schreiber. Schriftstellerisch interessant ist die Erzählung gerade deshalb, weil ausschließlich Fritze selbst zu Wort kommt, indem er Briefe an Charlotte und seine Jugendfreundin Hannah schreibt. Obwohl die Antworten auf seine Texte fehlen, erschließt sich das Gesamtgeschehen beinahe ungesagt zwischen den Zeilen. Dieser Erzählkniff wird ergänzt von Menschiks Illustrationen, die nicht einfach nur Inhalte des Textes in Szene setzen, sondern darüber hinaus eine ganz eigene Ästhetik und Dynamik entwickeln. Durch dreifarbige Drucke werden zeitgenössische Aktenstapel, Schreibmaschinen und sogar Kaffeehaus-Tafeln zum Leben erweckt und laden das Auge zum Verweilen ein.

Unterhaltsam wie ihr Buch gestaltete sich auch der Auftritt des Duos. Neben Filmelementen, die die Arbeitsweise der Künstlerin illustrieren, und im Wechsel vorgetragenen Auszügen aus der Brieferzählung ließen Menschik und Kutscher auch Einblicke in ihre gemeinsame Arbeit zu und plauderten vor den insgesamt 300 Schülerinnen und Schülern ganz ungezwungen aus dem Nähkästchen. Die Fragen, die aus dem Publikum gestellt wurden, führten dazu, dass wirklich ein Dialog zwischen den Künstlern und ihren jugendlichen Zuhörer*innen entstehen konnte. Im Fokus standen dabei vor allem zwei Botschaften: Man muss im Leben Mut und Initiative zeigen, wenn man seine Ziele erreichen will. Und: Demokratie ist nichts Selbstverständliches, sondern wir müssen wie die Romanfiguren im Berlin der 1930er Jahre aktiv dafür arbeiten, sie uns zu erhalten.

Am Tag nach der Lesung ließ uns Kat Menschik per Mail noch etwas wissen: „Ich bin echt immer noch ganz beseelt und habe allen erzählt, wie toll die beiden Lesungen in Ihrer Schule waren. Wirklich, ganz zauberhafte Kinder haben Sie in Ihrer Schule! Ich bin sicher, dass sie gut durch ihre Abiprüfungen kommen werden!”

Endlich wieder etwas gemeinsam machen! Nach den langen Corona-Monaten nutzten die „Franzosen“ der 10A die Gelegenheit niedriger Inzidenzen, um bei einem fröhlichen Abendessen mit französischen Köstlichkeiten Abschied von der Mittelstufe zu nehmen. Auf der Speisekarte standen Baguette, Salzbutter (die Herr Mann fast alleine gefuttert hat – DANKE fürs Mitmachen!), Tarte Provençale, Flammkuchen, Tabouleh, Laugengebäck und leckere und hübsch verzierte Kuchen (Kreativpunkte für Maria!) und – typisch französisch – Grenadinen- und Zitronensirup in rauen Mengen.

Anschließend stand ein Kino-Abend auf dem Programm: Gemeinsam tauchten wir ein in die Welt des Erasmus-Studiums und waren ein Jahr zusammen mit dem Franzosen Xavier in Barcelona (Film: „L’auberge espagnole – ein Jahr in Barcelona“). Es bleibt zu hoffen, dass auch im nächsten Schuljahr solch schöne Begegnungen außerhalb des regulären Unterrichts möglich sein werden. Schön war’s mit euch! À refaire…