Im Rahmen des Lateinunterrichts der 10. Klassen zeigte sich kürzlich, dass antike Rhetorik keineswegs ein verstaubtes Thema aus vergangenen Zeiten ist. Nach einer Unterrichtsphase zu Marcus Tullius Cicero und der antiken Redekunst war mit Ralf Popp ein Gast am MGL, der den Schülerinnen und Schülern verdeutlichte, wie wichtig Kommunikation und rhetorisches Geschick auch heute noch im Alltag und Berufsleben sind.

Der Besuch kam über Kontakte des Rotary Club Obermain zustande, der sich im Rahmen sogenannter „Hands-on“-Projekte engagiert und praktische Unterstützung aus den eigenen Reihen vermitteln möchte. Mit Herrn Popp, einem pensionierten Polizeibeamten mit langjähriger Berufserfahrung, konnte ein Referent gewonnen werden, der Theorie und Praxis anschaulich miteinander verband.

Gleich zu Beginn machte Herr Popp deutlich: Ob man später noch Latein brauche, hänge vom jeweiligen Beruf ab – Rhetorik dagegen brauche man immer im Leben. Ob bei einer Rede auf einer Familienfeier, in Vorstellungsgesprächen oder im Berufsalltag: Kommunikation begleite den Menschen ständig. Besonders anschaulich berichtete er dabei aus seiner Zeit bei der Polizei, in der rhetorische Fähigkeiten und sicheres Auftreten eine zentrale Rolle spielten. Dabei räumte er auch mit manchen Klischees aus Krimiserien auf. Anders als oft im Fernsehen dargestellt, brauche es bei Mordermittlungen häufig keine ausgefeilten Verhörmethoden. Die Aufklärungsquote liege bei Tötungsdelikten bei über 95 Prozent, und in vielen Fällen meldeten sich die Täter sogar selbst bei der Polizei. Eindrucksvoll erinnerte sich Herr Popp an sein erstes Mordgeständnis per Telefon im Jahr 1994.

Im Anschluss widmete sich der Vortrag dem Thema Kommunikation. Ausgangspunkt war die bekannte Aussage des Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Herr Popp erklärte den Schülerinnen und Schülern, dass bereits Kleidung, Körpersprache oder Schweigen Botschaften an andere Menschen senden. Farbe, Schnitt oder Aufdruck eines Kleidungsstücks würden ebenso wahrgenommen wie Gestik oder Haltung. Selbst kleine Details – etwa eine Hand in der Hosentasche – könnten bereits Wirkung auf andere haben.

Auch praktische Tipps für Vorträge und Referate gab der Referent weiter. Nervosität und Unsicherheit seien völlig normal. Zittrige Hände könne man etwa durch das Halten von Karteikarten geschickt kaschieren. Besonders wichtig sei außerdem die Erkenntnis: „Eine Rede ist keine Schreibe.“ Herr Popp berichtete dabei von seinen ersten Polizeiberichten für einen lokalen Radiosender, die er zunächst wie klassische Schulaufsätze formuliert habe – und schnell merkte, dass gesprochene Sprache anderen Regeln folgt. Gerade Wiederholungen seien in Vorträgen sinnvoll, damit Inhalte beim Publikum hängen bleiben.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war der Umgang mit Stress. Herr Popp erklärte, dass Stressreaktionen ursprünglich aus der Urgeschichte stammen: Damals habe der Mensch vor Gefahren wie Säbelzahntigern fliehen müssen, heute seien es eher Referate oder spontane Präsentationen vor einer Klasse. Die körperlichen Reaktionen seien jedoch bis heute dieselben geblieben. Gleichzeitig betonte er, dass eine gewisse Aufregung sogar hilfreich für einen gelungenen Vortrag sein könne. Offen sprach Herr Popp auch über eigene Erfahrungen mit Lampenfieber, etwa bei Grabreden für Kollegen. Um Stress zu reduzieren, empfahl er deshalb, sich frühzeitig mit der Umgebung vertraut zu machen, Technik vorher auszuprobieren und mögliche Unsicherheiten bereits im Vorfeld auszuschalten.

Zum Abschluss stellte der Referent noch das sogenannte AIDA-Prinzip vor, das beim Aufbau von Vorträgen helfen soll: Aufmerksamkeit wecken, Interesse erzeugen, den Wunsch nach mehr Informationen schaffen und schließlich zum Handeln motivieren.

Der Besuch zeigte den Schülerinnen und Schülern, dass die Beschäftigung mit antiker Rhetorik weit über den Lateinunterricht hinaus Bedeutung besitzt – und dass gute Kommunikation eine Fähigkeit ist, die in nahezu allen Lebensbereichen gebraucht wird.

Ein Thema, das im Alltag oft vermieden wird, stand im Dezember im Mittelpunkt der Unterrichtsgänge aller 10. Klassen im Religionsunterricht: Tod, Abschied und der Umgang mit Verstorbenen. Ziel war das Bestattungsinstitut Gleißner & Steinmann in Lichtenfels, wo der Mitarbeiter Andreas Sonnabend unseren Schülerinnen und Schülern einen offenen, sachlichen und zugleich eindrucksvollen Einblick in seine Arbeit gewährte.

Zu Beginn der Führung wurde deutlich, welche Vielzahl an Entscheidungen nach einem Todesfall auf die Angehörigen zukommt. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass Trauernde in kurzer Zeit viele organisatorische Fragen klären müssen: Soll eine Todesanzeige in der Zeitung erscheinen oder nicht? Welche Form der Bestattung wird gewählt? Wie soll die Trauerfeier gestaltet werden? Gerade in einer emotional extrem belastenden Situation fehlt Betroffenen oft die Kraft, sich mit all diesen Punkten auseinanderzusetzen. Umso wichtiger ist die Rolle des Bestattungsinstituts, das Angehörige begleitet und viele dieser Aufgaben übernimmt, um ihnen Raum für Trauer zu geben.

Anschließend durften die Klassen die Ausstellungsräume mit Särgen und Urnen besichtigen. Für viele war überraschend, wie groß die Auswahl ist und wie unterschiedlich Materialien, Formen und Gestaltungen ausfallen können. Besonders eindrücklich wurde dabei auch das Thema Kosten. Die Schülerinnen und Schüler stellten fest, dass sich die Preise – je nach Ausführung – teils erheblich unterscheiden. Dies führte zu nachdenklichen Gesprächen über finanzielle Aspekte von Bestattungen und darüber, wie sehr wirtschaftliche Fragen selbst in Momenten des Abschieds eine Rolle spielen.

Ein weiterer Programmpunkt war die Besichtigung der Leichenwagen. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass in Deutschland Verstorbene ausschließlich mit speziell dafür zugelassenen Fahrzeugen transportiert werden dürfen. Auch Besonderheiten wie sogenannte Unfallsärge wurden thematisiert. Diese Informationen verdeutlichten, wie streng die gesetzlichen Vorgaben in diesem Bereich sind und wie stark der Berufsalltag von Bestattern durch rechtliche Regelungen geprägt ist.

Besonders eindrucksvoll – und für manche auch emotional herausfordernd – war der Blick in den Kühlraum, in dem Särge bis zur Bestattung aufbewahrt werden. Hier wurde deutlich, dass zwischen dem Tod eines Menschen und der Beisetzung nur eine begrenzte Zeitspanne liegt, innerhalb derer viele Schritte koordiniert werden müssen. Auch der Versorgungsraum durfte besichtigt werden. Dort werden Verstorbene gewaschen, angekleidet und für die Abschiednahme vorbereitet. Die offene und respektvolle Art, mit der dieser Bereich erklärt wurde, nahm vielen Schülerinnen und Schülern Berührungsängste und vermittelte, dass es sich dabei um einen wichtigen letzten Dienst am Menschen handelt.

Den Abschluss der Führung bildete der Raum, in dem Trauerfeiern stattfinden. Hier konnten die Schülerinnen und Schüler Platz nehmen und alle Fragen stellen, die ihnen auf dem Herzen lagen. Dieses Gespräch entwickelte sich zu einem besonders wertvollen Teil des Besuchs. Die Klassen erfuhren unter anderem, welche Ausbildung ein Bestatter oder eine Bestatterin absolviert, welche Fähigkeiten dafür nötig sind und dass Einfühlungsvermögen, psychische Stabilität und Verantwortungsbewusstsein eine große Rolle spielen. Offen wurde auch darüber gesprochen, dass es Fälle gibt, die selbst erfahrene Bestatterinnen und Bestatter emotional sehr mitnehmen – etwa bei Unfällen oder beim Tod junger Menschen.

Ein zentrales Fazit dieses Gesprächs lautete: Die Arbeit eines Bestatters hat längst nicht nur mit Verstorbenen zu tun, sondern in sehr hohem Maß mit den Lebenden. Es geht darum, Angehörige zu begleiten, zuzuhören, Halt zu geben und individuelle Wünsche möglich zu machen. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler auch von kreativen und persönlichen Gestaltungsformen, etwa von der Möglichkeit, Särge selbst zu gestalten oder sogar selbst zu bauen. Auch alternative Formen des Erinnerns, wie das Pressen von Diamanten aus der Asche Verstorbener, stießen auf großes Interesse.

In der anschließenden Reflexion im Religionsunterricht beschrieben die Schülerinnen und Schüler den Unterrichtsgang als interessant, offen und informativ. Viele äußerten großen Respekt vor der Arbeit des Bestattungsinstituts und gewannen den Eindruck, dass hier sehr gewissenhaft und mit viel Menschlichkeit gearbeitet wird. Gerade weil Tod und Sterben Themen sind, denen man im Alltag oft ausweicht, wurde der Besuch als besonders wertvoll erlebt.

Am 16. Mai 2025 verlief der Vormittag der Klasse 7b anders als gewohnt, denn das Meranier Gymnasium empfing Gäste von der OBO (Offene Behindertenarbeit Oberfranken) aus Coburg. Im Rahmen des Deutschunterrichts hatten die Schülerinnen und Schüler zuvor die Lektüre „Whisper“ von Isabel Abedi gelesen. Darin wird eine der Figuren, ein kleiner schwerbehinderter Junge, immer wieder mit Ausgrenzung, Abwertung und sogar tätigen Angriffen aufgrund seiner Behinderung konfrontiert.

Um dieses Thema zu vertiefen und das Bewusstsein für die Lebensrealität von Menschen mit Einschränkungen zu fördern, besuchten uns drei Begleiter sowie zwei Menschen mit Handicap, um bei direkten Begegnungen ins Gespräch zu kommen. Mit dabei waren Hartmut Reder, 62 Jahre alt, der seit seiner Geburt mit Spastik im Rollstuhl sitzt, sowie Frank Ullrich, 58 Jahre alt, der mit Lernbehinderung und Epilepsie lebt. Beide erzählten offen von ihrem Leben und den Herausforderungen, die sich durch ihre Behinderungen im Alltag ergeben.

Im Gesprächskreis erfuhren unsere Schülerinnen und Schüler zunächst, dass Behinderungen in vielfältigen Formen auftreten können: körperliche Einschränkungen, sensorische Beeinträchtigungen, geistige Behinderungen – aber auch schwere Traumata zählen dazu. Die Diagnose erfolgt meist durch Fachärzte oder spezialisierte Einrichtungen. Es ist zudem wichtig zu wissen, dass das Thema Behinderung auch rechtlich eine zentrale Rolle spielt: Früher war es Menschen mit Behinderung häufig verwehrt, ihr Wahlrecht auszuüben – eine Regelung, die sich in den letzten Jahren grundlegend geändert hat. Deutschland hat außerdem die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet, welche auf den Prinzipien der Menschenrechte basiert und die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen an Gesellschaft und Gemeinschaft fordert.

Unsere Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, offen Fragen zu stellen, zum Beispiel, ob die Gäste einer beruflichen Tätigkeit nachgingen. Frank berichtete, dass er in einer Behindertenwerkstatt im Bereich Gartenbau tätig sei. Im Vergleich zu einer regulären Gartenbaufirma werde in seinem Betrieb besonders auf die Bedürfnisse behinderter Menschen Rücksicht genommen. Die Arbeit bereite ihm viel Freude, und in seiner Freizeit engagiert er sich bei der Freiwilligen Feuerwehr. Hartmut, dem seine körperliche Einschränkung das Fußballspielen unmöglich macht, ist begeisterter Fan des FC Bayern München und besucht regelmäßig politische Veranstaltungen, um sich über verschiedene Themen zu informieren und aktiv einzubringen.

Nach der Pause folgten abwechslungsreiche Gruppen-Workshops, die von den Schülerinnen und Schülern mit großem Engagement angenommen wurden. Sie konnten beispielsweise selbst ausprobieren, wie es ist, mit verbundenen Augen Geldmünzen zu ertasten – eine Herausforderung für Blinde und Sehbehinderte. Außerdem lernten sie die Blindenschrift kennen und übten in den Fluren des MGLs das Fahren eines Rollstuhls. Ebenso wurden zentrale Begriffe wie Inklusion, Exklusion und Integration spielerisch vermittelt: Was bedeutet es wirklich, teilzuhaben? Wo liegen Grenzen? Die Workshops ermöglichten einen direkten Einblick in die Herausforderungen und Chancen eines inklusiven Miteinanders.

Im Anschluss reflektierten wir gemeinsam im Plenum. Die Schülerinnen und Schüler waren sich einig: Es ist im Alltag äußerst schwierig für Rollstuhlfahrer – Türen sind oft zu schmal, befahrbare Flächen enden bereits an Treppenstufen. Die zwei Schulstunden vergingen wie im Flug – vollgepackt mit wertvollen Eindrücken und neuem Wissen. Der Vormittag hat gezeigt: Jeder Mensch ist auf seine eigene Art einzigartig und dennoch ganz normal. Es ist wichtig, behinderte Menschen nicht komisch anzuschauen oder auszuschließen, sondern sie als gleichberechtigte Mitglieder unserer Gesellschaft anzuerkennen, in der sich jeder so akzeptiert fühlen darf, wie er ist – mit individuellen Stärken und Schwächen. Der Besuch bei der Offenen Behindertenarbeit Oberfranken und der direkte Kontakt mit Menschen mit Einschränkungen leisteten in diesem Zusammenhang einen bedeutenden Beitrag für ein vorurteilsfreies Miteinander. Wir danken allen Beteiligten herzlich für diesen bereichernden Tag und freuen uns auf weitere Begegnungen dieser Art!

Im Zusammenhang mit dem im Lehrplan für den Religions-und Ethikunterricht verankerten Thema „Tod und Sterben“ besuchten Ende November/Anfang Dezember 2024 alle 10. Klassen das Bestattungshaus Gleißner & Steinmann in Lichtenfels. Dort erhielten unsere Schülerinnen und Schüler einen Einblick in ein Thema, das in unserer Gesellschaft nur allzu oft tabuisiert wird: den Umgang mit dem Tod und die Arbeit eines Bestatters. Wir bekamen bei diesem Unterrichtsgang die Gelegenheit, die Räumlichkeiten des Instituts zu besichtigen und durch persönliche Begegnungen einen authentischen Eindruck von den Abläufen und der Sensibilität, die in diesem Berufsfeld erforderlich sind, zu erhalten.

Herr Sonnabend, ein Mitarbeiter des Instituts, führte die Schülerinnen und Schüler zunächst durch die Ausstellung, in der ein großes Sortiment an Sarg-und Urnenmodellen zu besichtigen war und wo uns schnell bewusst wurde, dass im Trauerfall auch viele organisatorische Fragen und grundlegende Entscheidungen über die Bestattungsform zu klären sind. Im Anschluss konnten wir die Fahrzeuge, mit denen Verstorbene abgeholt werden, aus nächster Nähe ansehen. Wer mochte, durfte auch den Versorgungsraum, in denen die Verstorbenen gewaschen und versorgt werden, betreten und einen Blick in die Kühlkammer des Unternehmens werfen. Danach stand Herr Sonnabend in der Feierhalle für ein Gespräch zur Verfügung und beantwortete auf eine ruhige und offene Art alle Fragen, die den Jugendlichen auf dem Herzen lagen. So machte er zum Beispiel deutlich, dass eine gewisse Routine und Distanziertheit im Umgang mit dem Verstorbenen nötig seien, um die Tätigkeit eines Bestatters auf Dauer ausüben zu können, dass es jedoch immer wieder Sterbefälle gebe, die auch ihm viel abverlangten und ihn emotional heftig bewegten.

Bei der Exkursion zeigten sich unsere Schülerinnen und Schüler äußerst respektvoll und durchweg interessiert. Die Doppelstunde bot eine wertvolle Erfahrung, die über den reinen Fachunterricht hinausging: Sie regte zum Nachdenken über Themen wie die eigene Sterblichkeit, Abschiednehmen und den Umgang mit Trauer an. Gleichzeitig konnten aber in der direkten Begegnung mit dem Team des Bestattungsinstituts und durch die Konfrontation mit den realen Gegebenheiten vor Ort sicher auch einige diffuse Ängste bezüglich des Themas „Tod“ abgebaut werden.