Unterrichtsgang der 10. Klassen zum Bestattungsinstitut Gleißner & Steinmann

Ein Thema, das im Alltag oft vermieden wird, stand im Dezember im Mittelpunkt der Unterrichtsgänge aller 10. Klassen im Religionsunterricht: Tod, Abschied und der Umgang mit Verstorbenen. Ziel war das Bestattungsinstitut Gleißner & Steinmann in Lichtenfels, wo der Mitarbeiter Andreas Sonnabend unseren Schülerinnen und Schülern einen offenen, sachlichen und zugleich eindrucksvollen Einblick in seine Arbeit gewährte.

Zu Beginn der Führung wurde deutlich, welche Vielzahl an Entscheidungen nach einem Todesfall auf die Angehörigen zukommt. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass Trauernde in kurzer Zeit viele organisatorische Fragen klären müssen: Soll eine Todesanzeige in der Zeitung erscheinen oder nicht? Welche Form der Bestattung wird gewählt? Wie soll die Trauerfeier gestaltet werden? Gerade in einer emotional extrem belastenden Situation fehlt Betroffenen oft die Kraft, sich mit all diesen Punkten auseinanderzusetzen. Umso wichtiger ist die Rolle des Bestattungsinstituts, das Angehörige begleitet und viele dieser Aufgaben übernimmt, um ihnen Raum für Trauer zu geben.

Anschließend durften die Klassen die Ausstellungsräume mit Särgen und Urnen besichtigen. Für viele war überraschend, wie groß die Auswahl ist und wie unterschiedlich Materialien, Formen und Gestaltungen ausfallen können. Besonders eindrücklich wurde dabei auch das Thema Kosten. Die Schülerinnen und Schüler stellten fest, dass sich die Preise – je nach Ausführung – teils erheblich unterscheiden. Dies führte zu nachdenklichen Gesprächen über finanzielle Aspekte von Bestattungen und darüber, wie sehr wirtschaftliche Fragen selbst in Momenten des Abschieds eine Rolle spielen.

Ein weiterer Programmpunkt war die Besichtigung der Leichenwagen. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass in Deutschland Verstorbene ausschließlich mit speziell dafür zugelassenen Fahrzeugen transportiert werden dürfen. Auch Besonderheiten wie sogenannte Unfallsärge wurden thematisiert. Diese Informationen verdeutlichten, wie streng die gesetzlichen Vorgaben in diesem Bereich sind und wie stark der Berufsalltag von Bestattern durch rechtliche Regelungen geprägt ist.

Besonders eindrucksvoll – und für manche auch emotional herausfordernd – war der Blick in den Kühlraum, in dem Särge bis zur Bestattung aufbewahrt werden. Hier wurde deutlich, dass zwischen dem Tod eines Menschen und der Beisetzung nur eine begrenzte Zeitspanne liegt, innerhalb derer viele Schritte koordiniert werden müssen. Auch der Versorgungsraum durfte besichtigt werden. Dort werden Verstorbene gewaschen, angekleidet und für die Abschiednahme vorbereitet. Die offene und respektvolle Art, mit der dieser Bereich erklärt wurde, nahm vielen Schülerinnen und Schülern Berührungsängste und vermittelte, dass es sich dabei um einen wichtigen letzten Dienst am Menschen handelt.

Den Abschluss der Führung bildete der Raum, in dem Trauerfeiern stattfinden. Hier konnten die Schülerinnen und Schüler Platz nehmen und alle Fragen stellen, die ihnen auf dem Herzen lagen. Dieses Gespräch entwickelte sich zu einem besonders wertvollen Teil des Besuchs. Die Klassen erfuhren unter anderem, welche Ausbildung ein Bestatter oder eine Bestatterin absolviert, welche Fähigkeiten dafür nötig sind und dass Einfühlungsvermögen, psychische Stabilität und Verantwortungsbewusstsein eine große Rolle spielen. Offen wurde auch darüber gesprochen, dass es Fälle gibt, die selbst erfahrene Bestatterinnen und Bestatter emotional sehr mitnehmen – etwa bei Unfällen oder beim Tod junger Menschen.

Ein zentrales Fazit dieses Gesprächs lautete: Die Arbeit eines Bestatters hat längst nicht nur mit Verstorbenen zu tun, sondern in sehr hohem Maß mit den Lebenden. Es geht darum, Angehörige zu begleiten, zuzuhören, Halt zu geben und individuelle Wünsche möglich zu machen. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler auch von kreativen und persönlichen Gestaltungsformen, etwa von der Möglichkeit, Särge selbst zu gestalten oder sogar selbst zu bauen. Auch alternative Formen des Erinnerns, wie das Pressen von Diamanten aus der Asche Verstorbener, stießen auf großes Interesse.

In der anschließenden Reflexion im Religionsunterricht beschrieben die Schülerinnen und Schüler den Unterrichtsgang als interessant, offen und informativ. Viele äußerten großen Respekt vor der Arbeit des Bestattungsinstituts und gewannen den Eindruck, dass hier sehr gewissenhaft und mit viel Menschlichkeit gearbeitet wird. Gerade weil Tod und Sterben Themen sind, denen man im Alltag oft ausweicht, wurde der Besuch als besonders wertvoll erlebt.

Birgit Göckel
gepostet am 18. Januar 2026