„Schule fürs Leben“ – Projektwoche der 8. Klassen

Fünfjähriges Jubiläum feierte dieses Jahr in der Woche nach den Osterferien eine besondere Projektwoche, die seit dem Sommer 2022 Abwechslung in den Schulalltag unserer Achtklässler bringt: Fünf Tage ohne Notendruck, Hausaufgaben oder den gewohnten 45-Minuten-Rhythmus; verbunden mit der Gelegenheit, etwas mitzunehmen, das im normalen Lehrplan nur wenig Platz findet – eben eine „Schule fürs Leben“, so der offizielle Titel aus dem Kultusministerium. Nun wird in der Gesellschaft trefflich darüber gestritten, was die Schülerinnen und Schüler im Jahr 2026 aus der Schule für das Leben mitnehmen sollen: „KI-Kompetenz“, ruft der eine Berufsverband. „Die Steuerklärung ausfüllen“, der andere. „Anlagestrategien“, wünscht sich der Bankenverband. Manch Eltern wären schon froh, wenn der Nachwuchs Verantwortung für sich, den eigenen Schulranzen oder den Kleiderschrank übernehmen könnte. Die Antwort des Projektteams von Lehrkräften des Meranier-Gymnasiums fällt differenziert aus. Fünf kleine Bausteine bieten sie, im täglichen Wechsel, an, die den Achtklässlerinnen und Achtklässlern etwas Rüstzeug im Alltag, in der eigenen Lebensgestaltung vermitteln. Ein Überblick:

In Baustein 1 wurde es gleichermaßen informativ und lecker. Das Thema Ernährung bot aber auch Nervenkitzel! Aus einem digitalen Escape Game konnten die Schülerinnen und Schüler nur entkommen, indem sie ihr Wissen über Nährstoffe, die Ernährungspyramide und die Kennzeichnung von Lebensmitteln unter Beweis stellten. Später traten kleinere Gruppen in einem Table Quizz über Ernährungsgewohnheiten gegeneinander an. Das Team mit der höchsten Punktzahl durfte sich zuerst eines der fünf Gerichte heraussuchen, die zum krönenden, kulinarischen Abschluss des Tages zubereitet und verköstigt wurden.

Ist das schon Sucht? Wie entsteht sie überhaupt – und wo findet man Hilfe? Darf ein Jugendlicher Schwarzwälder Kirschtorte essen? Und ist es erlaubt, nach einem Bier noch E Scooter zu fahren? Wann kommt es zum „Tunnelblick“ und wie fühlt sich das eigentlich an? Welche Schadstoffe stecken in Zigarettenrauch und Vapedampf? Und mit welchen Tricks wird dafür geworben? Nicht zuletzt: Wie können wir uns selbst und unsere Freunde sicher von einer Party nach Hause bringen? Diese und viele weitere spannende Fragen wurden im Baustein 2 „Suchtprävention“ interaktiv erarbeitet und gemeinsam beantwortet. Und am Ende stand eine überraschend positive Erkenntnis: Alkoholfreie Cocktails sind richtig lecker!

Mit den Fragen, wie uns Werbung im Alltag beeinflusst und welche Strategien Supermärkte anwenden, um uns zum Kaufen zu verführen, beschäftigten sich die Achtklässlerinnen und Achtklässler in Baustein 3 „Konsum und Einkauf“. So erarbeiteten sie sich zunächst mithilfe digitaler Quellen, wie Werbung beschaffen sein muss, um eine größtmögliche Wirkung zu erzielen. Darüber hinaus deckten sie bei ihrer selbstständigen Arbeit mit unterschiedlichen Medien auf, wie perfide Supermarktketten unser Kaufverhalten zu beeinflussen versuchen. In einem sich anschließenden praktischen Teil durften die Schülerinnen und Schüler dann ihr Wissen überprüfen, indem sie in Kleingruppen mit einem begrenzten Budget nach bestimmten Vorgaben eine Brotzeit kauften und dann zubereiteten. Das gemeinsame Verzehren der gekauften Produkte an einer langen Tafel im Klassenzimmer stellte den beliebten Höhepunkt dieses Bausteins dar.

Auf der Suche nach einer umfassenden Definition von „Gesundheit“ erkannten die Klassen im Zuge einer kurzen theoretischen Einführung in Baustein 4 „Wohlbefinden“ schnell die Vielschichtigkeit des Begriffs, der die Aspekte des körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens miteinander vernetzt. Um den Jugendlichen die positiven Auswirkungen von Sport auf den allgemeinen Gesundheitszustand vor Augen zu führen, durchlief jede Klasse im Wechsel zwei parallel stattfindende Praxisblöcke, die von externen Partnern angeleitet wurden. Während in der Yoga-Einheit vor allem kreative und durchaus anspruchsvolle Übungen – etwa die Figur der „Krähe“ – für Begeisterung und viel Freude beim Ausprobieren sorgten, lernten die Schülerinnen und Schüler im MoveAndFun Workshop Bewegung gezielt mit Konzentrationsaufgaben zu verknüpfen und sinnvoll in den Schulalltag einzubauen.

In Baustein 5 ließen die Klassen das Schulgebäude hinter sich und erreichten mit dem Zug und einem Fußmarsch die Solidarische Landwirtschaft in Wolfsloch. Von der Umweltstation Weismain wurde ein interaktiver, theoretischer Impuls angeleitet und das Besondere dieses Ackers — im Zusammenhang mit der globalen Lebensmittelproduktion und vor dem Hintergrund der begrenzten Ressourcen und des Klimawandels — beleuchtet. Anschließend kamen die Klassen unmittelbar in Kontakt mit „Mutter Erde“, egal ob beim Umgraben, Unkraut jäten, Jungpflanzen setzen, Rankhilfen installieren oder sogar beim Mist schaufeln. Die Vielfalt und der Gewinn dieser Art der Lebensmittelerzeugung wurden lebendig und erfahrbar.

Die Evaluation der Projektwoche hat ergeben, dass die Teilnehmer der Projektwoche ganz unterschiedliche Favoriten hatten; auch bei der Frage, in welchem Baustein sie am meisten Neues gelernt hatten, waren die Antworten breit gestreut. Anscheinend war „für jeden etwas dabei“. Gefragt, was sie zum Schluss des anonymen, digitalen Feedbacks noch loswerden möchten, antworteten einzelne mit reflektierten Verbesserungsvorschlägen, das Gros jedoch so oder so ähnlich wie in diesen Beispielen:

„Ich will mehr Projektwochen mit solchen Themen.“ „Es war eine tolle Erfahrung!“ „Es war sehr schön es ging bloß zu schnell rum.“ „Wir brauchen deutlich mehr so etwas, denn es bereitet auf die Zukunft vor und bringt Abwechslung in den Schulalltag.“

Die vorbereitenden Lehrkräfte haben bisher in jedem Jahr an der ein oder anderen Stellschraube gedreht, um die Projektwoche für alle noch ertragreicher und angenehmer zu gestalten. Sie freuen sich schon auf den nächsten Durchlauf und danken den externen Partnern aus dem Gesundheitsamt für die Begleitung der Suchtprävention sowie Frau Krauß und Frau Göhring für die sportlichen Impulse.

– Das Projektteam „Schule fürs Leben“ (Isabell Dorsch, Kerstin Filberich, Simone Föhl-Wais, Rebecca Häublein, Anne Labisch, Nadja Nikol und Dr. Manuel Weskamp)
Manuel Weskamp
gepostet am 15. Mai 2026