Einen Monat lang war die Ausstellung „Doppelt stigmatisiert“ des Bezirks Oberfranken an unserer Schule zu sehen. Sie behandelt einen besonders düsteren und oft wenig bekannten Aspekt der nationalsozialistischen Verbrechen: das NS-Euthanasieprogramm. Am Beispiel von Patientinnen und Patienten aus der Heil- und Pflegeanstalt Kutzenberg, die Opfer dieses Verbrechens wurden, werden persönliche Lebensgeschichten erzählt und Menschen sichtbar gemacht, die lange namenlos blieben. Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 13 haben im Rahmen des Geschichtsunterrichts in den letzten Wochen die Ausstellung besucht.

Schüler der 12. Klasse beim Besuch der Ausstellung.

Zum Abschluss fand am Dienstag, den 20. Januar 2026 eine eindrucksvolle Gesprächsrunde des Leistungsfachs Geschichte und des P-Seminars Geschichte mit Bezirksheimatpfleger Hon.-Prof. Dr. Günter Dippold statt.

In seinem Vortrag erläuterte Dr. Dippold die Entstehung der Ausstellung, gab Einblicke in das Thema der nationalsozialistischen „Euthanasie“ und thematisierte die große Herausforderung, eine angemessene Form des Erinnerns zu finden. Ziel der Ausstellung sei es auch, die Entmenschlichung der Opfer im Gedenken rückgängig zu machen, indem man ihnen wieder Namen gebe und an konkrete Biografien erinnere. Besonders interessant fanden die Lernenden den Hinweis auf den Lichtenfelser Willy Marchand, eines der Opfer der NS-„Euthanasie“, an das in der Ausstellung erinnert wird, der selbst Schüler am Meranier-Gymnasium, damals noch Privatrealschule, gewesen ist.

Lernende des Leistungsfachs im Austausch mit Hon.-Prof. Dr. Günter Dippold.

Im anschließenden offenen Austausch nutzten die Lernenden die Gelegenheit, vertiefende Fragen zu stellen. Einige interessierten sich für das Berufsbild des Historikers und erhielten dazu wertvolle Einblicke aus erster Hand. Andere wollten mehr über die Inhalte der Ausstellung und über Erinnerungsarbeit im Allgemeinen erfahren. Die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars zeigten besonderes Interesse an praktischen Tipps zur Ausstellungskonzeption, da sie selbst zu ihrem Seminarthema „Evakuierte in Lichtenfels 1939/40“ eine eigene Ausstellung planen.

Dr. Dippold betonte im Gespräch auch die aktuelle Relevanz der Ausstellung:

„Geschichte ist keine Buchwissenschaft, sondern die Menschenwissenschaft. Genau deshalb ist die Beschäftigung mit ihr – und auch mit diesem Thema – so wichtig. Denn auch heute gibt es Stimmen, die Ausgrenzung propagieren.“

Die Auseinandersetzung mit diesen Biografien sensibilisiert für heutige Formen von Diskriminierung, Ausgrenzung und Entmenschlichung und macht deutlich, wie wichtig es ist, die eigene Haltung zu reflektieren und Zivilcourage zu zeigen. Die Veranstaltung verdeutlichte, dass Erinnerungsarbeit nicht nur ein Rückblick in die Vergangenheit ist, sondern auch Wertmaßstäbe für die Gegenwart setzt – gerade auch an einem Ort wie der Schule.

Am 17. Oktober 2025 besuchten die Schülerinnen und Schüler des Leistungsfach Geschichte mit Frau Simon die Ausstellung „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ in der Erlöserkirche in Bamberg. Schon beim Betreten der Kirche war klar: Hier geht es nicht nur um historische Fakten, sondern um Menschen, um Schicksale und um Mut.

Die Führung übernahm Frau Popp, die uns auf sehr eindrucksvolle Weise durch die Ausstellung begleitete. Es ging um Frauen, die sich nicht von Angst oder Gewalt einschüchtern ließen. Achtzehn Biografien erzählten von politischem Mut, von Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten und von der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – selbst wenn das das eigene Leben kosten konnte.

Viele der Frauen waren keine bekannten Namen aus Geschichtsbüchern. Sie waren Arbeiterinnen, Studentinnen, Lehrerinnen, Mütter, Krankenschwestern oder Künstlerinnen. Ihre Formen des Widerstands waren unterschiedlich: Sie versteckten Verfolgte, schmuggelten Flugblätter, widersprachen öffentlich oder schrieben gegen das Regime an. Einige kämpften politisch organisiert, andere handelten ganz individuell – aber alle bewiesen Zivilcourage.

© Ausstellung Frauen im Widerstand / ausstellung leihen

Besonders bewegte uns die Geschichte von Orli Wald, über die Frau Popp ausführlicher sprach. Orli Wald war Kommunistin und wurde von den Nationalsozialisten verhaftet und in mehrere Konzentrationslager verschleppt. Im Lager Auschwitz wurde sie als „Engel von Auschwitz“ bekannt, weil sie trotz Hunger, Gewalt und Todesangst versuchte, anderen zu helfen und Mitgefangene zu retten. Ihre Menschlichkeit und ihr Mut beeindruckten uns tief – gerade weil sie nicht als Heldin geboren wurde, sondern trotz extremster Bedingungen das Richtige tat.

Was wir aus der Ausstellung mitgenommen haben? Geschichte besteht nicht nur aus Daten und Ereignissen, sondern aus Menschen, Entscheidungen und Haltung. Widerstand beginnt oft im Kleinen – mit dem Mut, nicht wegzusehen. Genau das macht diese Ausstellung so aktuell. Sie erinnert uns daran, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist und dass jede Generation sie neu verteidigen muss.

Der Besuch war keine „normale“ Unterrichtsstunde, sondern eine Begegnung – mit Geschichte, aber auch mit Fragen an uns selbst: Wie hätten wir gehandelt? Wo stehen wir heute, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen?